Verkehrssicherheits-Kampagne „Leipzig passt auf“ geht nicht weit genug

Verkehrssicherheits-Kampagne „Leipzig passt auf“ geht nicht weit genug

Die Stadt Leipzig hat am 10. Januar gemeinsam mit den Leipziger Verkehrsbetrieben und der Polizeidirektion Leipzig die Verkehrssicherheitskampagne Leipzig passt auf ins Leben gerufen.

Wir unterstützen diese ausdrücklich. Auch wir sind davon überzeugt, dass gegenseitige Rücksichtnahme essentiell für sichere Fortbewegung im Straßenverkehr ist. Nicht umsonst ist diese auch in Paragraph 1 der Straßenverkehrsverordnung verankert:

Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

Falsche Prioritäten

Jedoch macht es sich die Stadt Leipzig mit einer solchen Kampagne zu einfach, denn sie appelliert allein an das Verhalten der Verkehrsteilnehmer und setzt damit falsche Prioritäten. Denn die Stadtverwaltung nutzt die ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, den Straßenverkehr gerechter und sicherer zu machen, nicht oder viel zu zaghaft. In diesem Sinne haben wir die Kampagne durch, in unseren Augen, viel wirksamere Maßnahmen ergänzt und zusätzliche Kampagnenmotive kreiert.

   

Fehlervermeidende bzw. -verzeihende Infrastruktur

Jährlich geschehen auf Leipzigs Straßen 12.000 bis 13.000 Verkehrsunfälle, davon ca. 1.900 mit Personenschaden. 2016 bis 2018 starben jährlich 14 Menschen an den Unfallfolgen.

Laut Leipzigs Polizeipräsident René Demmler ist der Autoverkehr für 94 % der Unfälle verantwortlich. Die Gefahr des Autoverkehrs zeigt sich aber nicht nur in der Anzahl der Unfälle, sondern auch in deren Schwere, wie der ADFC kürzlich twitterte. So enden Unfälle mit Autos, in die Fußgänger oder Radfahrer verwickelt sind, für diese oft deutlich schwerer als für die Autofahrer.

Daher brauchen wir eine fehlervermeidende bzw. -verzeihende Infrastruktur, mit der Gefahren gar nicht erst entstehen. Falls doch, muss sie die Schwere der Folgen reduzieren. Ziel muss auch in unserer Stadt Vision Zero sein. Diese weltweite Bewegung eint das Ziel, schwere und tödliche Verletzungen bei Unfällen auf Null zu reduzieren. Straßen und Verkehrsmittel müssen so gestaltet werden, dass es nicht zu schweren oder tödlichen Unfällen kommt. Die Infrastruktur muss individuelle Fehler verzeihen.

Wir fordern:

  • geschützte Kreuzungen nach niederländischem Vorbild, (gesichert entweder durch große Abbiegeradien) oder mindestens getrennten Grünphasen für Radfahrer und rechtsabbiegendem Autoverkehr
  • mehr Flächen für Fußgänger und Radfahrer, und zwar exklusiv (Stichwort Flächengerechtigkeit), d. h.
    • mehr Fußgängerzonen, mehr Zebrastreifen und Vorrang für Fußgänger
    • mehr, breitere und baulich vom motorisierten Individualverkehr getrennte Radwege (jedoch nicht auf Kosten von Fußgängern)
  • innerorts Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit: Eine längere Reaktionszeit bedeutet weniger, weniger schwere und tödliche Unfälle, also mehr Sicherheit

Hauptgefahr Autoverkehr

Autofahrer sind die Hauptunfallverursacher. An 10 % oben genannter Unfälle sind Radfahrer beteiligt, 900 werden dabei jedes Jahr verletzt, 5 bis 6 davon tödlich. Die meisten tödlichen Unfälle sind Abbiegeunfälle, bei denen rechtsabbiegende Autofahrer vorfahrtberechtigte Radfahrer überfahren. Dies geschieht nicht absichtlich, Menschen machen Fehler, doch jedes Opfer auf nachfolgender Karte ist eines zu viel.

Verkehrsunfälle mit Todesfolge seit 2012

Quelle: Eigene Recherchen sowie Radunfallkarte

Es liegt also auf der Hand, dass dort, wo Auto- auf Fuß- oder Radverkehr trifft, Handlungsbedarf besteht.

Daher fordern wir:

  • vermehrte Geschwindigkeitskontrollen, unangekündigt
  • konsequentes Abschleppen: Entfernung von Falschparkern von Geh- und Radwegen sowie Kreuzungsbereichen und Gehwegnasen
  • Verkehrskontrollen mit Fokus auf Unfallschwere – Hauptaugenmerk bei Verkehrskontrollen auf Gefahren, die potenziell zu Verletzungen führen

 

Die Grafiken dürfen für nicht kommerzielle Zwecke, unverändert und mit Nennung von Verkehrswende Leipzig als Urheber gern geteilt werden (CC BY-NC-ND).

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